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Es breitet sich langsam aus

„Nachtgleiter“-Premiere, am Mittwoch, 21. September, 19 Uhr, im Audimax der Technischen Hochschule Brandenburg

von juh

„Es breitet sich langsam aus, wie ein leises Flüstern, das sich in die Straßen schleicht.“

Verwirrung, graues Wasser, schwarz-weiße Stadt: Bereits der Teaser zum Sci-Fi-Noir-Streifen des Digitale Medien-Absolventen Nico Gühlstorf (27), verursacht einen Schauer, der sich durch die Nackenhaare frisst, dieses unangenehme flaue Gefühl auslöst und mit einem Kribbeln in den Fingerspitzen endet.

„Nachtgleiter“ ist nicht der erste Film aus der Feder des jungen Filmemachers. Seine Filme, wie „FADE – verblassen“ (2013), „Lüge“ (2012) und „Torn“ (2011) haben Tiefgang und führen die Zuschauer intelligent in die Abgründe der Protagonisten. „ Ich bevorzuge anspruchsvolle Filmideen und mache meist Filme in Richtung Psycho-Thriller und Drama“, erklärt Gühlstorf. Ein Freund des Filmemachers erkannte unlängst eine eigene, eindeutige Handschrift. „Meist geht es um gebrochene Charaktere, die im Leben scheitern oder gescheitert sind und mit psychischen Problemen zu kämpfen haben“, sagt der 27-Jährige weiter. Diesem Stil bleibt er auch in seiner neuesten Produktion „Nachtgleiter“ treu. In diesem leidet der an einem Gehirntumor erkrankte Samuel (Thomas Georgi) unter enorm psychischen Problemen, kämpft mit Suizidgedanken in denen er sich selbst begegnet, starken Déjà-vus und Träumen, die sich wie Erinnerungen anfühlen. Mit Hilfe einer Elektrostimulations-Therapie und der Neurophysikerin Dominique (Lea Wegner) versucht er den Tumor zu besiegen.

„Das schwerste am ‚Filmemachen“ ist, am Ende der Postproduktion – nachdem ich den Film x-mal gesehen habe und jeden Schnitt auswendig kenne – kurz vor der Premiere oder Veröffentlichung noch einschätzen zu können, ob der Film dem Publikum gefällt“, gesteht Gühlstorf. „Wird der Zuschauer an der geplanten Stelle überrascht sein? Bekommt er Gänsehaut? Fühlt er mit den Charakteren?“ Die Erschaffung einer Situation, eines Gefühls, bereiten dem Filmemacher dabei die größte Freude. „Man plant den Zuschauer zu beeinflussen. Das gelingt entweder mit dem Drehbuch, schließlich durch das eingefangene Bild, die Komposition und letztendlich mit dem Filmschnitt. Meist wird vergessen, wie wichtig der Filmschnitt nachdem Drehbuch, der Regie oder der Kameraarbeit für einen Film ist. Deswegen sage ich gerne: Die Geschichte wird mit dem Drehbuch begonnen und schlussendlich durch den Filmschnitt zu Ende erzählt“, unterstreicht Gühlstorf.

Das Filmgenre des Sci-Fi-Noir beschreibt dabei ein Crossover aus Science-Fiction und Neo-Noir und gleichzeitig Bestandteil der über 200 Seiten zählenden Masterarbeit Gühlstorfs. Der Film noir ist eine Stil-Epoche der 40er und 50er Jahre aus den USA, beeinflusst durch den deutschen Expressionismus und vor allem durch die Emigranten aus Europa, die 1930 und 1941 aus Europa nach Amerika flohen. „Es war eine düstere Zeitepoche, die auch durch Horrorfilme der 30er Jahre und anders herum beeinflusst wurde und somit gerade Elemente wie Licht und Schatten und düstere Bilder beinhaltet“, so der Filmemacher. „Bei Nachtgleiter sind es vor allem die Stilelemente schwarz-weiß, starke Kontraste, Spiel mit Licht und Schatten, düstere Stimmung, dunkle Gassen, finstere Nacht die nie zu Enden scheint und ein gebrochener Hauptcharakter der beinahe keinen Ausweg mehr sieht.“

Dass Nico Gühlstorf sich nicht für das Genre Krimi oder Romanze entschied, hat dabei seine Gründe. „Samuel (Thomas Georgi) entwickelt im Laufe des Filmes Erinnerungen und Gefühle für eine Frau, die er niemals traf. Diese Szenen sind schön, wie auch tragisch und haben eine leichte Farbsättigung im Gegensatz zum Rest des Films, der typischerweise in schwarzweiß gehalten ist. Außerdem sind Film noir sozusagen Krimis, eben nur eine spezielle Art davon.“

Das Drehbuch zum düstereren Film mit pessimistischer Weltansicht und gebrochenen Charakteren entstand aus zwei aufeinander folgenden Projektkursen und einer Masterarbeit zwischen Juni 2013 und März 2015. „Als Autor und Regisseur des Films beschäftigte mich in der Zeit viel mit dem Thema Déjà-vus und Gehirntumore. So konnte die Handlung zum Teil mit realistischen und fiktiven medizinischen Behandlungen in Form von Elektrostimulationen versehen werden. Nach anderthalb Jahren Arbeit konnte das Drehbuch schließlich mit Hilfe von Martin Liermann zwischen Dezember 2014 und März 2015 abgeschlossen werden“, unterstreicht der Filmemacher.

In nur zehn Tagen zwischen April und Juni 2015 drehte das Team den kompletten Film ab.  Es folgte der Schnitt bis November, danach ging es mit dem Hauptdarsteller ins Tonstudio der Technischen Hochschule. „Nachtgleiter“ wurde hauptsächlich bei Nacht in den dunklen Gassen von Berlin und Brandenburg gedreht. Daneben dienten ebenfalls das Industriemuseum, Slawendorf, die Brandenburger Innenstadt oder Berlin Westkreuz als finstere Kulissen. „Oliver Karaschewski, Theresa Schwierske und ich opferten nicht nur viel Freizeit, Geist und Gespür, sondern auch eigenes Geld, denn der Film wurde ausschließlich aus eigener Tasche bezahlt“, so Gühlstorf.

Bereits seit 2012 ist der ambitionierte Filmemacher selbständig und produziert mit seinem Kommilitonen und Freund Oliver Karaschewski Imagefilme, Eventdokus, Crowdfunding Videos, Clips und Spots für Unternehmen. Seit Herbst diesen Jahres ist er neben der Selbstständigkeit zudem als Video-Producer bei E-Wise angestellt.

Die Premiere des Films findet am Mittwoch, 21. September, 19 Uhr, im Audimax der Technischen Hochschule Brandenburg statt. Laufzeit: 48 Minuten. Der Eintritt ist frei.

Teaser: https://www.youtube.com/watch?v=dX7bjKEx_-E

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=x-DsrfkDkHw

Facebook-Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/284786318547339/

Nachtgleiter. Ein Film von Nico Gühlsdorf
Nachgleiter. Premiere am 21.September im Audimax

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